Warum auf Teneriffa windsurfen?

Ich war schon mit 25 Jahren ein echter Fan vom Windsurfen und bin auf einigen Schweizer Seen gesurft, hauptsächlich auf dem Vierwaldstättersee (Thermikwind oder Föhn auf dem Urnersee), aber auch auf dem Walensee und auf dem Silvaplanersee (Malojawind). Auch im nahen Ausland habe ich tolle Erfahrungen gesammelt, z.B. auf dem Comersee (Domaso) oder auf dem Gardasee (Torbole). Aber was macht ein fanatischer Surfer im Winter? Warum nicht in die Ferne schweifen und windsurfen auf Teneriffa, Lanzarote, Fuerteventura oder Gran Canaria. Man hat ja eh Ferien zum Jahreswechsel, warum also nicht ein paar Tage anhängen und Surfurlaub buchen. So war ich oft im Windsurf-Mekka El Médano, wo man mit über 300 Windtagen im Jahr fast 100% erfolgreichen Windsurfferien geniessen kann.

Aber betrachten wir die Windsurfgeschichte von ganz vorne:

Erste Segelversuche auf dem Surfbrett

Es war Sommer und ich war oft im Strandbad am Vierwaldstättersee, wo ich mit meinen Brüdern und mit den Schulkameraden schwimmen und vom Sprungturm den Mädchen auf dem Floss unsere Köpfler und Saltos zeigen konnte. Da tauchte plötzlich ein Dorfbewohner mit einem damals neuartigen Schwimmgerät auf, ein Surfbrett mit einem beweglichen Segel. Das interessierte mich natürlich sehr und er zeigte mir, wie man den Mast mit dem am Gabelbaum aufgespannten Segel (Rigg) an einem Strick (Startschot) langsam aus dem Wasser ziehen kann. Ich durfte das probieren und fiel natürlich einige Male vom wackligen Brett ins Wasser. Dann zeigte er mir auch, wie man das Surfbrett in Bewegung bringt, indem man den Mast leicht gegen den Wind neigt, mit der einen Hand übers Kreuz den Gabelbaum in Mastnähe anfasst (Kreuzgriff) und mit der anderen Hand das Rigg bis auf 45 Grad heran zieht. Auch das durfte ich ausprobieren und fiel dabei wieder etliche Male ins Wasser bis ich dann endlich die ersten hundert Meter ohne Sturz surfen konnte. Aber wie komme ich wieder zurück? Ich habe das Brett schwimmend um 180 Grad gedreht, habe den Start auf die andere Seite versucht und bin zum Ausgangspunkt zurückgekommen. Ich war von meinem ersten Surfversuch fasziniert, hatte aber noch viele Fragen wie zum Beispiel: Wie kann ich das Brett steuern, wie kann ich das Brett wenden ohne abzusteigen und wie kann man gegen den Wind aufkreuzen?

Der Besuch eines Surfkurses

Diese Fragen liessen mich nicht in Ruhe und ich meldete mich am nächsten Tag bei einem Surfkurs im Nachbardorf an. Dort gab es dann zuerst Theorie zum Segeln allgemein (Fahrtrichtungen: Halbwind, hart am Wind, Raumschot, Vorwind, Windrichtungen: aktueller Wind vektoriell addiert zum Fahrtwind ergibt den tatsächlichen Wind). Danach gab es Theorie und Trockenübungen zum Surfen im speziellen und anschliessend begleitete Übungen im Wasser. Nach drei Tagen war der Surfkurs beendet und ich bekam zum Abschluss eine Auszeichnung.

Der Kauf des ersten Surfbretts

Nun hatte ich den Surfschein aber noch kein eigenes Surfbrett, also kaufte ich mir ein Anfängerbrett mit dem Namen „Speedy“ und hoffte, dass es schnell und handlich ist. Es ging bei schwachem Wind ganz gut, aber bei stärkerem Wind hatte ich Probleme, denn die Spitze des Brettes tauchte bei hohen Wellen plötzlich ins Wasser ein und ein Schleudersturz war unvermeidbar.

Der Kauf des zweiten Surfbretts

Auf die nächste Saison kaufte ich ein professionelleres Brett, den Mistral Competition, das in der Fachzeitschrift „Surf“ gute Kritiken bekam. Das war ein grosses Brett mit viel Volumen und eine Länge von ca. 4 Metern. Der Mistral Competition war wie der Name sagt für Regatten konzipiert worden und war als Verdrängerbrett bis drei Windstärken tadellos. Aber bei 4 und mehr Windstärken kam das Brett nicht richtig ins Gleiten und stellte sich wegen des langen Schwertes seitlich auf. Diesem Verhalten konnte man durch Verstellen des Klappschwertes nach hinten entgegenwirken oder ein kleineres Sturmschwert verwenden. Aber trotzdem kam ich mit diesem Brett nie richtig ins Gleiten auf der Wasseroberfläche und die maximale Geschwindigkeit war dadurch beschränkt.

Der Bau eines eigenen Surfbretts „Little Arrow“

Wie gesagt: Ich wollte ein Brett, das richtig ins Gleiten kommt und auf der Wasseroberfläche mit maximaler Geschwindigkeit wie ein kleiner Pfeil dahinflitzt. Ein solches „Funboard“ mit einem flachen Unterwasserschiff gab es damals nicht zu kaufen, aber in der Fachzeitschrift „Surf“ war eine Anleitung und Pläne zum Selbstbau eines solchen Flitzers. Also machte ich mich auf und kaufte in der SwissPor-Fabrik drei blaue Styrofoam-Isolierplatten von 2 Meter Länge und im Baumarkt die restlichen Materialien, um mein eigenes Funboard mit dem vielversprechenden Namen „Little Arrow“ selbst zu bauen. In einer Garage hinter unserem Haus habe ich gesägt, geklebt, gehobelt, geraspelt, geschliffen und gemalt bis mein eigenes Funboard fertig war. Ich erinnere mich noch an ein Detail: Da das Brett sehr leicht und rutschfest sein sollte, habe ich die Standfläche lackiert und statt mit einem Kilogramm feinem Sand mit Kristallzucker bestreut, der bei der Jungfernfahrt wieder ausgewaschen wurde.

Die Fahreigenschaften des „Little Arrow“

Bei der Jungfernfahrt hat dann der „Little Arrow“ seine süsse Unschuld verloren und alle gestellten Anforderungen erfüllt: Schon bei 3 Windstärken hob er sich dank dem flachen Unterwasserschiff aus dem Wasser und  gleitete auf der Wasseroberfläche mit hoher Geschwindigkeit wie ein kleiner Pfeil dahin. Auch die Steuerung ist bei dieser hohen Geschwindigkeit kein Problem, man braucht mit einem Fuss das Brett rechts oder links herunterzudrücken und sofort gibt es zum Einleiten von Wenden oder Halsen eine Rechts- oder eine Linkskurve. Schon bei kleinen Wellen kann man sogar Sprünge machen, indem man die Füsse in den Schlaufen lässt und mit den Zehenspitzen eine Kurve gegen die Welle einleitet und dann „abdrückt“, ein herrliches Gefühl!

Das Brett eignet sich optimal zwischen 3 bis 5 Windstärken, bei mehr Wind kommt dann eher ein kleineres, leichtes Sinkerbrett in Frage, wo man aus dem Wasser starten muss.

Der Bau eines eigenen Sinkers „Rainbow“

Ich wollte auch ein Brett, das ich bei einem Föhnsturm im Urnersee fahren konnte, wo Windspitzen zwischen 5 und 7 Windstärken vorkommen können. Dazu braucht es erst mal kleinere Segel nach meiner Regel:

„Segelfläche = 10 – Windstärke“.

Aber auch das Brett muss kleiner und leichter werden, damit es kontrollierbar bleibt. Das heisst, dass man nicht mehr auf das Brett stehen und das Segel aus dem Wasser  ziehen kann, sondern dass man den Wasserstart beherrschen muss.

Ein solches Sinkerbrett konnte ich als Rohling kaufen und gab es einem Autolackierer zum Spritzen, und zwar so wie farbige Bänder, die von vorne nach hinten um das Brett herum gewunden sind und farblich ineinander übergehen. Dann musste ich nur noch die Inserts wie Fussschlaufen, Finnenkästen und Mastfuss montieren und alles mit Polyester laminieren. Mit diesem wirklich schön aussehenden Brett „Rainbow“ bin ich sehr lange gefahren und habe Höhen und Tiefen damit erlebt.

Ich erinnere mich noch an ein Debakel: Als ich das Brett mit dem Flugzeug in einem schützenden Surfbag scheinbar gut eingepackt zum windsurfen auf Teneriffa mitnahm, war das Laminat beschädigt. Ich liess es vor Ort reparieren und konnte damit im Urlaub auf Teneriffa windsurfen, aber zu Hause war das Laminat wieder beschädigt. Der Schaden passierte wahrscheinlich beim Transport vom Flughafen zum Hotel Playa Sur und zurück, weil die zu kurzen senkrechten Stangen des Surfträgers vom Hotelbus zu stark aufs Laminat des schräg aufliegenden Bretts gedrückt hatten.   

Abschliessende Bemerkungen

In den letzten Jahren meiner Surflaufbahn habe ich in der Schweiz handelsübliche Surfbretter gekauft und mit viel Spass auf dem Urnersee gefahren. Zum Windsurfen auf Teneriffa konnte ich gut erhaltene Bretter von der Surfstation Gahmig ergattern und war damit sehr zufrieden. Man wird im Alter ruhiger und begnügt sich mit dem Material was man hat.

So verbrachte ich weitere schöne Surfjahre bis dann eines Tages der Moment kam, wo ich die Bretter und die aufgeriggten Segel an einem interessierten Surfkollegen geschenkt habe.

Ich habe durch diese schöne Sportart viele Freunde kennengelernt und es war für mich eine tolle und lehrreiche Zeit, die ich nicht missen möchte. Aber man soll aufhören solange man noch aufhören kann und das habe ich vor ca. 4 Jahren getan.

Es hat mich gefreut, euch meine Surfgeschichte zu schildern und hoffe, dass sie euch gefallen hat.

Walter Zimmermann